Forschungsmethoden Extra – Die Laddering-Technik

Bekanntlich nutzen wir bei ProWi+ viele verschiedene Forschungsmethoden. Neben der großangelegten Befragung über fünf Messzeitpunkte, haben wir Teams interaktionsanalytisch untersucht und spannende Interviews mit Profs und Post-Docs geführt (siehe auch hier: https://www.prowi-studie.de/projektueberblick-2/ ). Heute wollen wir Ihnen eine besondere Forschungsmethode aus unseren Interviews vorstellen: Die Laddering-Technik. Mithilfe dieser psychologischen Interviewmethode kommen wir gezielt zu der subjektiven Bedeutung, die sich oftmals hinter objektiven Eigenschaften verbergen. Diese Interviewmethode wird auch häufig in der Marktforschung verwendet. Hier geht es darum durch Nachfragen herauszufinden, welche Empfindungen hinter bestimmten objektiven Produktmerkmalen stehen. Zum Beispiel könnte man erfragen, warum es wichtig ist, dass ein Joghurt verdauungsfördernde Bakterien enthält. Ein hintergründiges Motiv könnte z.B. das Gesundheitsbewusstsein sein.  Im folgenden Video haben wir diese Technik für Sie schrittweise erklärt und zusammengefasst.

 

 

Mithilfe dieser Technik haben wir in den Interviews die ganz persönliche Bedeutung von Laufbahnerfolg mit den Interviewten erarbeitet. Mit der Frage „Was bedeutet für Sie persönlich Laufbahnerfolg?“ konnten wir Kriterien identifizieren, die für den Erfolg einer wissenschaftlichen Karriere stehen.

Diese Kriterien lassen sich in zwei Oberkategorien einordnen. Zum einen gibt es die objektiven Kategorien. Sie umfassen alle Aspekte von Laufbahnerfolg, die direkt zählbar bzw. messbar sind und anhand diskreter Kennzahlen identifiziert werden können. Typische objektive Kriterien sind zum Beispiel die Höhe des Einkommens und die Anzahl der Beförderungen. Insgesamt konnten wir sechs objektive Kategorien identifizieren (zum Beispiel: Finanzierung, Leistungsposition und Arbeitgeber-Ranking). In die subjektive Oberkategorie fallen Aspekte, die nicht direkt messbar sind. Darunter fällt beispielsweise die eigene Zufriedenheit mit der bisherigen Laufbahn. Diese Aspekte sind lediglich über Selbstauskünfte bzw. Fragebögen möglich und beruhen auf individuellen Einschätzungen. Im subjektiven Kategorienbereich konnten zehn Kategorien identifiziert werden. Dazu zählen u.a. Balance, Reputation, Zielerreichung und Sinnerleben.

Die Auswertung zeigt, dass der persönliche Laufbahnerfolg mehr von subjektiven als von objektiven Aspekten geprägt ist. Dabei wurden Autonomie, Reputation und Zufriedenheit am häufigsten genannt.  Zwischen Frauen und Männern gab es keine Unterschiede hinsichtlich ihrer persönlichen Definitionen von Laufbahnerfolg. Unterschiede konnten allerdings zwischen Post-Doktoranden und ProfessorInnen aufgedeckt werden: Hier nannten Post-Doktoranden signifikant häufiger die Subkategorie Entfristung/Sicherheit als Professoren (die objektive Kategorie Entfristung/Sicherheit bündelte alle Antworten, die sich auf eine unbefristete Stelle oder eine sichere berufliche Zukunft beziehen). Trotz dessen wurden von 94% der Interviewten auch ein Aspekt aus dem objektiven Kategorienbereich genannt, wie z.B. Finanzierung, der von den Teilnehmenden als häufigster Aspekt von Laufbahnerfolg erwähnt wurde.

 

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier:

Barthauer, L., Estel, V., Dubbel, A., Kauffeld, S., & Spurk, D. (2016). Woran erkenne ich eine erfolgreiche Laufbahn? Ein qualitativer Ansatz zur Definition von Laufbahnerfolg bei Wissenschaftlern. Beiträge zur Hochschulforschung, 1-2, S. 42-63.

PS: Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an unsere Praktikantin Laura, die sich an die Erstellung dieses Videos gewagt hat 🙂

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